Alexander Bartelt wird zum 1. April 2026 neuer Geschäftsführer der Panda Fördergesellschaft für Umwelt (PFG), die eine Tochtergesellschaft des WWF ist. Bartelt kam Ende 2024 als Head of Corporate Partnerships zur PFG, um Unternehmen für eine Zusammenarbeit mit dem WWF Deutschland – unter anderem für das Beratungsangebot „One Planet Business – by WWF“ zu gewinnen. Davor war Bartelt 18 Jahre im Nachhaltigkeits- und Produktmanagement der Otto Group tätig. Er folgt auf Sebastian Tripp, der die WWF-Tochter sieben Jahre erfolgreich geleitet hat.
In einem ersten Interview sprechen wir mit Alexander Bartelt über die Herausforderungen, vor denen die Unternehmensarbeit des WWF steht, über ungenutzte Potenziale und gute Gründe, um an nachhaltigen Investitionen festzuhalten.
Alexander, wie blickst du auf deine neue Position als Geschäftsführer? Was motiviert dich?
Die neue Rolle kam für mich unerwartet plötzlich. Und doch fühle ich mich gut vorbereitet. Dass das so ist, habe ich meinem Vorgänger zu verdanken. Sebastian hat die Unternehmensarbeit im WWF entscheidend weiterentwickelt und damit auf ein sehr solides Fundament gestellt. Das zeigt sich gerade jetzt in diesen politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass die kommenden Monate herausfordernd werden.
Meine Motivation ziehe ich vor allem aus dem Wissen, dass Veränderungen, die an den richtigen Stellen ansetzen, eine große Wirkung haben können. Nehmen wir das Beispiel EDEKA. Gemeinsam mit dem Lebensmitteleinzelhändler setzen wir unter anderem ökologische Maßnahmen im konventionellen Bananenanbau durch. Mit den nachhaltigeren Bananen zum günstigen Preis erreichen wir Millionen von Kundinnen und Kunden und entlasten die Umwelt ganz wesentlich.
Blicken wir zunächst zurück: 2025 wurde Nachhaltigkeit von einer Vielzahl von Krisen überlagert. Genau in dieser Zeit hast du beim WWF angefangen, um Unternehmen für Transformation und Naturschutz zu gewinnen. Wie war das für dich?
Der Wechsel von der Wirtschaft in den Non-Profit-Sektor war ein spannender Schritt für mich. In vielerlei Hinsicht sind die Unterschiede dann aber nicht so groß, wie man sie erwartet. Denn der Kern meiner Tätigkeit war und ist es, unternehmerisches Handeln mit den planetaren Grenzen und gesellschaftlichen Ansprüchen in Einklang zu bringen. Mir geht es nach diesem Jahr wie wohl vielen Nachhaltigkeitsverantwortlichen: In politischen und öffentlichen Debatten werden Wirtschaft und Nachhaltigkeit zunehmend als konfliktäre Ziele dargestellt. Dagegenzuhalten ist anspruchsvoll.
Mit einem Netzwerk von rund 50 Unternehmenspartnern setzt sich der WWF für nachhaltiges Wirtschaften ein. Wie gehen Unternehmen mit den neuen Gegebenheiten um?
Aus einer rein kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Sicht scheint Nachhaltigkeit heute weniger attraktiv als noch vor ein paar Jahren, weil sich regulatorische Rahmenbedingungen und marktseitige Gegebenheiten, vor allem die Nachfrage, verändert haben. Ich denke, es ist erst einmal wichtig, das zu verstehen. Aber auch, dass Unternehmen per se eher langfristig denken und handeln. Und das bedeutet, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ unweigerlich auch wieder an Fahrt zulegen wird. Genau das nehmen wir auch aus unseren Gesprächen mit Unternehmen mit. Nichtsdestotrotz: Selbst den Unternehmen, die bei Nachhaltigkeit vorangehen, fällt es oft schwer, dem derzeitigen Gegenwind standzuhalten. Beim WWF machen wir es uns zur Aufgabe, die Unternehmen zu unterstützen und zu stärken, die sich einer langfristigen Transformation verschreiben.
Was kommt aus deiner Sicht oftmals zu kurz, wenn über unternehmerische Nachhaltigkeit gesprochen wird? Wo siehst du ungenutzte Potenziale?
Wenn wir mit Unternehmen sprechen, geht es vielen von ihnen erst einmal darum, Naturschutzprojekte des WWF finanziell zu unterstützen – sei es durch eine Spende oder ein Sponsoring. Beides sind sehr wichtige, weil konkret und zeitnah wirksame Aktivitäten, mit denen sich im Hier und Jetzt viel erreichen lässt. Und wir sehen wachsendes Interesse an einer transformativen Zusammenarbeit, die konkrete Klima- und Umweltziele im jeweiligen Geschäftsmodell verfolgt. Unternehmen haben aber nicht selten dort den größten Hebel in ihrem Geschäftsmodell, wo ihr direkter Einfluss eher gering ist. Damit meine ich die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen und konkret die Rohstoffgewinnung und Produktnutzung durch Verbraucher:innen. Hier sehe ich viel Potenzial für Veränderungen, die eine überproportional große Nachhaltigkeitswirkung haben.
Wie aber können Unternehmen Nachhaltigkeit dort vorantreiben, wo eine direkte Einflussnahme nur schwer möglich ist, also in der Lieferkette oder bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern?
Dank der WWF-Expertise und des WWF-Netzwerks können wir Unternehmen dabei unterstützen, an zwei Stellen anzusetzen: zum einen, indem wir über Naturschutzprojekte nachhaltige Veränderungen am Ursprung der Lieferkette anstoßen. Wir nennen das „Landscape Engagement“. Zum anderen, indem wir über sogenannte „Behavioural Change“-Kampagnen das Verbraucherverhalten lenken.
In unseren „Landscape Engagement“-Ansätzen verschneiden wir kritische Rohstofflieferketten mit unseren weltweiten Naturschutzprojekten. Diese spezielle Form des Naturschutz-Sponsorings ermöglicht es Unternehmen, sich gemeinsam mit dem WWF für eine nachhaltigere Gewinnung ihrer Hauptrohstoffe einzusetzen, beispielsweise Palmöl, Soja oder Kakao. Dabei geht es uns sowohl um Naturschutz und umweltschonendere Anbaupraktiken als auch um verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort.
„Behavioural Change“-Kampagnen sind ein weiterer Kooperationsansatz. Sie sollen dazu beitragen, dass Verbraucher:innen klima- und umweltschädliche Verhaltensroutinen hinterfragen und im Alltag nachhaltiger handeln. Ein gutes Beispiel hierfür ist die #WirDrehenRunter-Kampagne, die wir gemeinsam mit Procter & Gamble ins Leben gerufen haben. Sie hat es geschafft, dass die Menschen in Deutschland ihre Wäsche kälter und damit klimaschonender waschen.
Die Art und Weise, wie der WWF als Umweltorganisation mit Unternehmen zusammenarbeitet, ist einzigartig. Worin siehst du die Chancen dieser Partnerschaften?
Wir wollen mit unserer Arbeit möglichst viel bewirken. Und in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und einer Umweltorganisation stecken Potenziale, die weit über die unmittelbare Reduktion des Umweltfußabdrucks hinausreichen. So können Entscheidungen eines einzelnen Unternehmens eine ganze Branche verändern, wichtige politische Impulse setzen und Millionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern erreichen.
Aber nachhaltiger Wandel braucht Zeit. Daher zielen wir vor allem auf strategische Partnerschaften, die langfristig angelegt sind und einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen, der von konkretem Naturschutz über die nachhaltige Transformation von Geschäftsmodellen bis hin zur Kommunikation mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern reicht.
Gibt es noch etwas, das du den Leserinnen und Lesern mitgeben möchtest?
Ich denke, es gibt keinen Grund, die Zuversicht zu verlieren, und ich bin mir sehr sicher, dass sich der Wind wieder drehen wird. Bis es so weit ist und Nachhaltigkeit wieder den politischen und gesellschaftlichen Stellenwert erhält, den sie haben müsste, braucht es starke und unbeirrte Vorreiter. Und dafür stehen all die Unternehmen und Menschen, mit denen der WWF zusammenarbeitet.
Sie haben weitere Fragen an Alexander Bartelt?
Information zur Panda Fördergesellschaft für Umwelt
Die Panda Fördergesellschaft für Umwelt mbH mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine Tochtergesellschaft des WWF International und betreut nationale und internationale Unternehmenskooperationen für den WWF. Zur Finanzierung der WWF-Naturschutzarbeit vergibt sie Lizenzen für die Nutzung des WWF Panda-Logos, akquiriert strategische und transformative Partnerschaften zur Reduktion negativer Umweltwirkungen sowie Sponsoren und Unternehmensspender aus Dienstleistung, Handel und Industrie.
